Donnerstag, 07.12.2017, 18.30 Uhr

Filmabend "Menschliches Versagen" mit Regisseur Michael Verhoeven


In der Veranstaltungsreihe des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) in Kooperation mit der Landeszentrale für Politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt


Am kommenden Donnerstag, dem 7. Dezember 2017, 18.30 Uhr, begrüßt das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)  den Regisseur Michael Verhoeven zu einem Filmabend mit Gespräch, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Nach einer Kurzführung mit Direktor Thomas Bauer-Friedrich durch den Ausstellungsbereich Kunst 1933-1945 bietet sich die Gelegenheit für ein Gespräch mit Michael Verhoeven, dessen Film "Menschliches Versagen" sich dem Umgang der Menschen mit der jüdischen Bevölkerung angetanem Unrecht widmet. "Menschliches Versagen" wurde auf dem Jewish Film Festival Berlin 2009 ausgezeichnet mit dem Preis für den "Besten deutschen Dokumentarfilm mit jüdischer Thematik" und wird im Anschluss an das Gespräch gezeigt.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Regisseur Michael Verhoeven selbst über seinen Film:

Was man beschönigend die "Arisierung" nennt, ist in Wahrheit einer der größten Raubzüge des 20. Jahrhunderts, begangen an einem Teil der eigenen Bevölkerung.
Es war nicht die "Gestapo", die in die jüdischen Wohnungen eindrang, um den gesamten Besitz zu beschlagnahmen vom Bankkonto bis zur Unterwäsche. Es waren deutsche Finanzbeamte. Großes ging an die Finanzbehörden, Kleines über "Versteigerungen aus nicht-arischem Besitz" an die lieben Nachbarn. Darum geht es in unserem Film.
Prof. Wolfgang Dreßen von der Universität Düsseldorf ist schon lange auf der Spur von Akten, in denen die genauen Einzelheiten der verschiedenen Enteignungsvorgänge beschrieben und belegt werden. Weil die Enteignung teilweise in Gestalt von Steuern vorgenommen wurden, befinden sich die Unterlagen in den Steuerakten der enteigneten Personen. Dieser Umstand hat es den Nachkriegsbehörden erleichtert, diese Enteignungsakten unter Verschluss zu halten - unter Berufung auf das Steuergeheimnis. Die Alliierten haben sich für die Steuerakten offenbar nicht interessiert. Die Banken waren nicht aufgefordert, die Unterlagen aufzudecken. Die Beweislast lag bei den Opfern. Durch einen anonymen Hinweis konnte Prof. Dreßen ca. 2000 Akten in der Oberfinanzdirektion Düsseldorf dingfest machen. Die Oberfinanzdirektion Köln hat vergeblich versucht, die Namen der Opfer in den ausgestellten Akten zu schwärzen.
In Amerika lebende Nachkommenen einer enteigneten und deportierten Familie haben nach der Veröffentlichung der Kölner Akten durch Prof. Dreßen erstmals das Schicksal dieser Opfer in Erfahrung gebracht. Im Münchner Staatsarchiv (Leitung Dr. Bernhard Grau) ist erst ein Drittel der vor kurzem aufgetauchten Enteignungsakten "verzeichnet". Sie stellen für Historiker ein neues Forschungsbiet dar. Wir haben jüdische Zeitzeugen ausfindig gemacht, die die Beraubung ihrer Familien als Kinder oder junge Erwachsene miterlebt haben. Heute sind sie alt und berichten von ihren Erfahrungen. Die Betroffenen empfinden keinen Hass, sprechen nicht von "Schuld", nur von "Menschlichem Versagen".

Wissenschaftler wie der Historiker Götz Aly, der Historiker und Archivar Andreas Heusler und die Genealogin und Holocaust-Expertin Cornelia Muggenthaler geben den historischen Hintergrund.

Michael Verhoeven, Oktober 2008
(Inhalt: Auszug aus dem Presseheft Sentana Filmproduktion GmbH, München)