schließung der gotischen gewölbe ab 29. mai 2017

Dank einer großzügigen Förderung durch die Glücksspirale ist es der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt 2017 möglich, die Alte Münze im Untergeschoss des Talamtes im Südflügel der Moritzburg als künftigen Dauerausstellungsbereich des Landesmünzkabinettes im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) baulich fertigzustellen. Teil der Baumaßnahme ist u. a. der Einbau eines Aufzugs in die historischen Mauern, um eine barrierefreie Erschließung des Ausstellungsbereichs gewährleisten zu können. Der Aufzug wird nach Fertigstellung der Maßnahme allen gehbeeinträchtigten Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, die Exponate im Untergeschoss des Talamtes uneingeschränkt zu besichtigen. Um die Bauarbeiten zu ermöglichen, sind die Gotischen Gewölbe ab dem 29. Mai 2017 bis Ende 2017 geschlossen.

mittelalter & frühe neuzeit

Die Ausstellung mittelalterlicher Altäre und Skulpturen, von Spolien aus bedeutenden halleschen Bauwerken und sakralen Objekten im Gotischen Gewölbe des Kunstmuseums Moritzburg vereint eine Auswahl aus den reichen Sammlungen der alten Kunst in einem Raum, der zu den ursprünglichen Teilen der Burganlage zählt. Die Gewölbe in der 1484 bis 1504 erbauten Residenz der Magdeburger Erzbischöfe beherbergten die Hofstuben, den Speise- und Aufenthaltsraum für die Besatzung und das Hofgesinde. Um 1900 wurde hier der sogenannte Denkmalkeller eingerichtet, in dem Architekturteile und Skulpturen aus abgerissenen oder umgestalteten halleschen Bauten gesammelt wurden. Seit 1952 wird das Gewölbe für Ausstellungen alter Kunst und des Kunsthandwerks genutzt. Bei der Einrichtung als Ausstellungsraum baute man auch das reich ornamentierte originale Renaissance-Portal (um 1525) vom halleschen „Dom" (Stiftskirche) ein, das man 1911 in die Moritzburg übertrug, um es vor weiterer Verwitterung zu schützen.

Die beiden farbig gefassten Steinskulpturen der heiligen Helena (1502) und des heiligen Mauritius (um 1480) zierten einst zu beiden Seiten die Front des 1946 abgerissenen spätgotischen Rathauses. Die Figur der Helena stand unter einem Baldachin in einer Nische vor der Ratskapelle. Aufgrund einer Inschrift mit Signtur am Mantelsaum lässt sich die Figur von hohem künstlerischen Rang dem namentlich nicht identifizierten Meister HW zuschreiben, von dem vor allem im obersächsischen Raum bedeutende Figuren und Figurenensembles erhalten sind. Der heilige Mauritius, war der Patron des Erzbistums Magdeburg. Sein Name bedeutet „der Maure" und wurde zu Moritz gewandelt. Möglicherweise war die Figur vom halleschen Rathaus ein Geschenk des Magdeburger Domkapitels an die Stadt.

Der sogenannte Wappenhalter aus der Kapelle des Rathauses hält das Stadtwappen von Halle mit Mondsichel und Sternen.  Von der ehemaligen Ulrichskirche stammt die Ölberggruppe (um 1500), die die drei im Garten Gethsemane in den Schlaf gesunkenen Jünger Johannes, Petrus und Jakobus d. Ä. zeigt.

Aus dem „Riesenhaus", das wegen seines prächtigen Portals mit den Skulpturen der Riesen Antäus und Herkules so genannt wurde, stammt der Teil einer Stuckdecke (um 1700), die wahrscheinlich 1905 in die Moritzburg übertragen wurde.
Laurentius Hoffmann (1582–1630) war ein weiterer berühmter hallescher Mediziner. Die Figuren und Reliefs zusammen mit vielen Bruchstücken aus seinem Epitaph kamen 1885 bei Gelegenheit einer Restaurierung der Ulrichskirche, bei der die Wandepitaphien an der Südseite des Chors abgeschlagen wurden, in die Moritzburg.

Die Altäre und Altarfiguren der Sammlung stammen vorwiegend aus Kirchen im mitteldeutschen Raum. Überwiegend wurden sie auch in den zahlreichen Werkstätten in der Region gefertigt..
In Halle wurden Altäre und Einzelfiguren aus der Region im Provinzialmuseum, dem heutigen Landesmuseum für Vorgeschichte, zusammengetragen. 1917 erwarb die Stadt eine Auswahl der besten Stücke für das Museum für Kunst und Kunstgewerbe, das heutige Kunstmuseum Moritzburg, darunter auch die beiden Altarretabeln aus Pressel bei Bad Düben und Kämmeritz bei Mücheln sowie viele Einzelfiguren.

2007 konnten fast alle Werke der Schnitzplastik aus der Sammlung des Museums durch großzügige Spenden restauriert werden. Hierfür gilt dem Förderkreis des Kunstmuseums Moritzburg und Frau Dr. Hanna Leistner unser ausgesprochener Dank!

II. Gewölbe, Foto: Siegfried Gergele, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
II. Gewölbe, Foto: Siegfried Gergele, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Blick in das Gewölbe
Foto: Siegfried Gergele, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Gewölbe
Franz Julius Döteber (zugeschrieben), Epitaph des Dr. Laurentius Hoffmann, Martyrium des Hl. Laurentius, Alabaster, Foto: Archiv Moritzburg
Franz Julius Döteber (zugeschrieben), Epitaph des Dr. Laurentius Hoffmann, Martyrium des Hl. Laurentius, Alabaster, Foto: Archiv Moritzburg
Franz Julius Döteber (zugeschrieben), Epitaph des Dr. Laurentius Hoffmann, Heiliger im Priestergewand, Alabaster, Foto: Archiv Moritzburg
Franz Julius Döteber (zugeschrieben), Epitaph des Dr. Laurentius Hoffmann, Heiliger im Priestergewand, Alabaster, Foto: Archiv Moritzburg