moderne zwei

Konstruktiv-konkrete Kunst

„das ziel der konkreten kunst ist es, gegenstände für den geistigen gebrauch zu entwickeln, ähnlich wie der mensch sich gegenstände schafft für den materiellen gebrauch. […] konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem maß und gesetz. sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben.“

Max Bill, 1949

 
Die neue thematische Sammlungspräsentation des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) zur Kunst nach 1945 in der Box des Westflügels der Moritzburg konzentriert sich auf Werke der konstruktiv-konkreten Kunst und ihre Übergänge zu Positionen mit serieller, minimalistischer und abstrakter Tendenz aus den Sammlungen des Museums. Mit Werken von El Lissitzky, Erich Buchholz oder Fritz Winter ist diese von der Gegenständlichkeit gänzlich freie Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits in der Präsentation der Moderne I – Kunst von 1900 bis 1945 anzutreffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die ungegenständliche Kunst mit der Rückbesinnung auf die Avantgarden der ersten Jahrhunderthälfte einen breiten internationalen Aufschwung. In der Kunst der DDR gab es jedoch nur wenige Vertreter dieser Positionen, da sie die kulturpolitischen Vorgaben des sozialistischen Realismus ignorierte. Der in Dresden tätige Hermann Glöckner, der sich schon in den 1930er Jahren der konkreten Kunst zugewandt hatte und dies auch in der DDR fortsetzte, war mit der Konsequenz und Unbeirrbarkeit seines Werkes Anregung und Orientierung für Künstler der folgenden Generation, wie Horst Bartnig (Berlin), Karl-Heinz Adler (Dresden) oder Ludwig Ehrler (Halle/Saale), von denen das Museum ebenso wie von Hermann Glöckner noch in der Zeit der DDR Arbeiten erwarb.

Nach 1990 kamen Werke in die Sammlungen, die die Intentionen der konstruk­tiven Kunst des 20. Jahrhunderts und der Minimal Art in der Gegenwart fortsetzen, etwa von Edda Jachens, Hanns Schimanski und – zum ersten Mal ausgestellt – Werke von dem in Dessau geborenen und in Düsseldorf leben­den IMI Knoebel, der zu den international renommiertesten deutschen Kün­stlern gehört und sich seinen Künstlernamen nach dem in Genthin pro­duzierten Waschpulver mit der gerasterten grün-weißen Verpackung gegeben hat. Diesen Sammlungszuwachs verdankt das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) einer Dauerleihgabe des Landes Sachsen-Anhalt und einer großzügigen privaten Schenkung von Grafiken u. a. von IMI Knoebel und Günther Förg.

In einem Kabinetteinbau werden temporär wechselnd Arbeiten auf Papier präsentiert.

Präsentation 1 (06.05.2017 | 08.08.2017)
Hermann Glöckner

Präsentation 2 (10.8.2017 | 14.11.2017)
IMI Knoebel, Günther Förg/Schenkung Galerie Fahnemann, Berlin und Dr. E. Storck

Präsentation 3 (16.11.2017 | 28.01.2018)
Karl-Heinz Adler

Die Ausstellung wird im Laufe des Jahres mit temporären Schwerpunktsetzungen im Kabinett der Westbox zum Werk von Horst Bartnig (06.05. - 27.08.2017, serielle Werke) und Ludwig Ehrler (18.11.2017 – 28.01.2018, serielle Werke) ergänzt.



Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt © Horst Bartnig
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt © Nachlass Ludwig Ehrler © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 für die Werke von Hermann Glöckner und Imi Knoebel