Das Museum und seine Sammlungen

In jeder neuen Sehform
kristallisiert
sich ein neuer Inhalt der Welt.
Heinrich Wölfflin

Die Stiftung Moritzburg ist ein Museum mit einer mehr als hundertjährigen, gewachsenen Struktur. Aus ihr haben sich sechs Sammlungen für Malerei, Plastik, Grafik und Photographie, Kunsthandwerk und Design sowie Münzen und Medaillen geformt. Die Sammlungen sind umfassend, aber nicht universell, in ihnen verdichten sich Werkgruppen von ausgesuchter Qualität jeweils zu Sammlungsblöcken. Das Museum setzt daher auf die Vertiefung seiner Schwerpunktthemen und nicht auf einen lückenlosen Gang durch die Epochen der Kunstgeschichte. Konsequenterweise steht die Kunstanschauung und nicht so sehr die kunsthistorische Gelehrsamkeit im Mittelpunkt.

Das Hauptgewicht des Bestandes liegt auf der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Einzelne Sammlungsblöcke reichen in die Vergangenheit zurück, ins 19. Jahrhundert und bis ins Mittelalter, daneben gibt es Solitäre aus weiteren Stilepochen.

Als Schwerpunktthemen, die sich in der jetzigen Dauerausstellung wieder finden, sind zu benennen: Klassische Moderne mit Expressionismus, Konstruktivismus und Neuer Sachlichkeit, Kunst nach 1945, Kunst aus der DDR, Zeitgenössische Kunst, 19. Jahrhundert und Kunstwerke des Mittelalters, darunter Schnitzplastik aus Kirchen der Region. Ein breiteres Spektrum bieten die Sammlungen für Kunsthandwerk und Design sowie Münzen und Medaillen. Sowohl bei der Kunst der Klassischen Moderne als auch bei der Kunst der DDR konzentriert sich der Blick auf expressive, abstrakte und realistische Tendenzen. Mit der Dauerleihgabe der Sammlung Hermann Gerlinger erfährt die Kunst der Brücke eine substanzielle Stärkung, so dass das Museum in der Erforschung des Expressionismus eine herausgehobene Aufgabe sieht. Der bedeutende Halle-Zyklus von Lyonel Feininger, der einst im Torturm der Moritzburg geschaffen wurde, findet auch eine dokumentarische Würdigung. Einzelnen halleschen Künstlern wie Adolf Senff, Karl Völker und Albert Ebert wird monografische Aufmerksamkeit geschenkt. Ein außergewöhnlicher Fundus ist der Bildernachlass des Regisseurs und Dramatikers Einar Schleef.

Werke aus der Sammlung für Grafik mit ihrem bedeutenden Fundus an Flugblättern und Ornamentstichen sowie der Sammlung für Photographie mit dem Nachlass Hans Finslers, den Beständen des Fotokino Verlages Leipzig, der Gesellschaft für Fotografie und des Fotoforum Kassel können nicht dauerhaft ausgestellt werden. Die Grafik ist mit vierteljährlich wechselnden Beständen im Wehrgang vor dem Kuppelsaal ausgestellt, eine Auswahl aus den Photographien in demselben Rhythmus auf der Galerie über der "Moderne eins".