10.02.2019 | 12.05.2019

Beckmann, Kirchner und Kokoschka
Die Sammlung Karl und Maria Ziegler zu Gast im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)


Im Frühjahr 2019 präsentiert das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) exklusiv die hochkarätigen Werke der Sammlung Ziegler, die zu einer der bedeutendsten Sammlungen zur Kunst des Expressionismus und der klassischen Moderne in Deutschland zählt.

Seit den späten 1950er Jahren hat der Chemiker und Nobelpreisträger Karl Ziegler (1898–1973) zusammen mit seiner Frau Maria die einzigartige Sammlung zur modernen Kunst aufgebaut. Der aus dem hessischen Helsa stammende Wissenschaftler war von 1936 bis 1945 Direktor des Chemischen Instituts der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 1938 wurde er Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Seit seiner Berufung an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung (heute Max-Planck-Institut) in Mülheim an der Ruhr leitete er dieses bis 1969. 1963 erhielt er für die Erfindung eines Verfahrens zur Massenproduktion von Kunststoffen wie Polyethylen und Polypropylen den Nobelpreis für Chemie. Mit den Einnahmen aus seinen Patentrechten für die Normaldruckpolymerisation konnte der Forscher das Institut über Jahrzehnte hinweg finanziell unabhängig stellen und für ihn selbst eröffnete sich die Möglichkeit, seine Kunstsammlung mit Bildern von internationalem Rang zu bereichern und auszubauen.

Der Grundstein für die Sammlung wurde 1958/59 gelegt. Die Bilder spiegeln die Liebe zu Natur und Garten sowie zu Orten, denen die Eheleute eng verbunden waren. Bei den Ankäufen ließen sich die Eheleute nur selten beraten, vertrauten weit häufiger ihrer Intuition und gaben den eher hellen und intimen Bildern den Vorzug. „Ausschließlich die Freude am Schönen war jeweils der Anlass zum Erwerb der uns umgebenden Kostbarkeiten“, äußerte sich Karl Ziegler später einmal. Gesammelt wurde demnach nicht nach kunsthistorischen Gesichtspunkten, sondern nach rein ästhetischen Vorlieben, wobei Karl und Maria Ziegler die Bilder fast immer gemeinsam aussuchten. Aus diesem intuitiven Zugang zur Kunst entwickelte sich eine konsistente Kunstsammlung, die einen sehr persönlichen Einblick in die Malerei des frühen 20. Jahrhunderts gewährt.

Die von dem Ehepaar Ziegler im Verlauf von rund 20 Jahren zusammengetragenen 44 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen haben seit 1981 ihre Heimat im Mülheimer Kunstmuseum. In die 2002 gegründete selbstständige Stiftung kamen sowohl der Bestand von Karl und Maria Ziegler als auch diejenigen Bilder, die von der nachfolgenden Generation der Familie gesammelt worden sind: 71 weitere Werke des Expressionismus und der klassischen Moderne. Damit verfügt die Stiftung Sammlung Ziegler über 115 Werke der klassischen Moderne.

In der Zusammenschau der beiden Werkkomplexe zeigt sich die internationale Klasse der Sammlung allein schon durch die Vielzahl hochkarätiger Arbeiten des rheinischen Expressionisten August Macke: Ein Werkblock von 15 Gemälden und Aquarellen findet seinesgleichen nur noch in Bonn und Münster. Mit besonderem Schwerpunkt auf den Bildern von Emil Nolde, Franz Marc, Lyonel Feininger, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky und Paul Klee umfasst die Sammlung weitere wichtige Werke, u. a. von Max Beckmann, Lovis Corinth, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Oskar Moll, Otto Mueller, Paula Modersohn-Becker, Hans Purrmann, Christian Rohlfs und Karl Schmidt-Rottluff.

Mit dieser Ausrichtung fügt sich die Präsentation der Sammlung Ziegler ideal in das Profil des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) wie auch in das Moderne-Jahr 2019.

Eine besondere Verbindung besteht zwischen dem Sammlerpaar, seiner Sammlung und der Stadt Halle (Saale). Zum einen lebte und wirkte das Ehepaar zwischen 1936 und 1945 in der Saalestadt, zum anderen erwarb es nach dem Zweiten Weltkrieg eines der Gemälde aus dem Halle-Zyklus, den Lyonel Feininger zwischen 1929 und 1931 in der Moritzburg in Halle (Saale) malte. Der Zyklus wurde 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ vollständig beschlagnahmt. Heute befinden sich wieder drei der ehemals elf Gemälde im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), darunter das 2009 zurück erworbene „Roter Turm I“. Mit der Sammlung Ziegler wird 2019 sein Pendant „Roter Turm II“ temporär zurückkehren, was einen außerordentlichen Glücksfall für das Museum bedeutet.

Wegen Sanierungsarbeiten wird das Kunstmuseum in Mühlheim an der Ruhr 2018/19 geschlossen. Aufgrund der engen Verbindungen zur Stadt Halle (Saale) kann das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) im Frühjahr 2019 exklusiv die Sammlung Ziegler in Halle (Saale) präsentieren, bevor sie über die Kunsthalle Emden an die Ruhr zurückkehrt.